Mit einem geborgten Fotoapparat anstatt meines gestohlenen sind endlich wieder ein paar anschauliche Erinnerungen möglich. Am letzten Sonnabend war ich mit zwei meiner sehr viel jüngeren Kolleginnen in einem Wohnviertel von Guayaquil, in dem die wirklich Armen leben, unterwegs. Katharina arbeitet hier öfter: Sie macht Weiterbildungsarbeit mit Lehrerinnen aus Schulen dieser Wohngebiete oder Theaterarbeit mit Kindern. Sie hatte die Idee, gemeinsam mit den Kindern und Müttern Bildungsmaterial anzufertigen und hat Ann- Kathrin und mich um Hilfe gebeten.
Unsere Eindrücke waren fordernd und stressend: Sehr kranke Menschen mitten drin in diesen Lebensverhältnissen, in denen die Menschen Löcher unter ihren Häusern ausheben für Abfälle und Fäkalien und kein fließendes Wasser haben. Ein Tankwagen kommt - viel Wasser kann es nicht für alle sein. Geduscht wurde mit Tropfen aus einem Abflussrohr. Wir haben auch viele Marktstände erlebt mit gerade geschlachteten und frei in der heißen Luft hängenden Hühnern, halben Rindern und tausenden Fischen. Ein Meter weiter riesige Abfallberge - wahrscheinlich auch mit Hühnern und halben Rindern. Der Gestank war unfassbar. Dass die Menschen da irgendwie ohne Nachfolgeerkrankungen einkaufen, ist kaum vorstellbar.
Aber es ist kein Leben in gedrückter Stimmung.
Was nicht bedeutet, dass es nicht ähnlich nahe gehende Erlebnisse mit meinen Schülern, zumeist den Kindern der Reichsten, gibt. Im Zusammenhang mit der Behandlung von Max Frischs "Andorra" war die Modernität des Werkes Thema. Vor allem Vorurteile heute: Und die Ergebnisse ihrer selbstständigen Recherche haben mich und stellenweise auch sie erschüttert: Xenephobie in Spanien und Südamerika gegen Menschen aus Ecuador oder Kolumbien. Argentinier oder Spanier sind die beseren spanisch sprechenden Menschen. Mein Gott, wie ewig gestrig die Menschen unserer Welt sind!
Mit meinen Schülern mache ich auf jeden Fall auch viele spannende Entdeckungen. Die Schüler meiner eigenen 11.Klasse und ich haben zwei gemeinsame Vorhaben: Sie wollen mir im historischen Museum das alte Guayaquil und die Tierwelt Ecuadors zeigen. Danach wollen wir essen gehen und zwei Wochen später mit einem Schiff fahren. Das wird mein nächster Blog. Meine Arbeit mit ihnen macht mir viel Freude.
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